Seelenmörder gibt es überall. Sie leben in Großstädten, auf kleinen Dörfern, in Sumpfgebieten. Sie begegnen dir überall. Mal in der kleinen Kneipe nebenan, beim Einkaufen im Supermarkt um die Ecke oder auf dem Klo. Sie können auch Nachbarn oder Freunde sein. Sie sind immer gegenwärtig.
Seelenmörder haben auch so etwas exzentrisches. Sie stehen gerne im Mittelpunkt und behaupten Dinge, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Sie erfinden Krankheiten, spannende Geschichten, spannen dich für ihre Dienste ein und nehmen dir dein privates Leben. Einige Seelenmörder sind sehr geschickt. Sie sind freundlich, zuvorkommend und haben immer ein offenes Ohr für dich. Aber Vorsicht, eh du dich versiehst, haben sie dich gefangen, steckst mittendrin in ihrem Zwangsverhalten und wirst gefressen.
Was ist eigentlich Seelenmord? Der Mensch hat ein inneres Gleichgewicht, dass er regelmäßig zu pflegen versucht. Manchmal gelingt das auch ganz gut, wenn tolle Leute in deinem Leben sind und mit dir die Freuden des Alltags genießen. Aber dann gibt es auch das Ungleichgewicht. Es wird durch, Krankheit, Liebeskummer, falsche Freunde, beruflichen Ärger, Norovirus oder böse Nachbarn ausgelöst. Die Palette ist groß und man könnt noch unzählige Dinge aufzählen, aber nehmen wir mal den bösen Nachbarn als Beispiel her. Ich wähle jetzt mal bewusst kein Geschlecht. Ich nenne die Person „Kobold“. Da soll es ja kein spezifisches Geschlecht bei den Dingern geben.
Also, ein böser einsamer Nachbar namens Kobold war schon immer streitlustig. Man kann ihm das auch nicht verübeln, denn wer einsam ist hat Langweile und das wird zwangsläufig zum Problem für alle Menschen um den Kobold herum. Der Kobold hängt dann oft am Fenster und beobachtet seine Mitmenschen. Er ist neidisch, wenn er sieht, wie glücklich andere sind und er kann das nicht sein. In seiner Eifersucht und seinem grenzenlosen Neid, überlegt er sich, wie und mit was er seine Mitmenschen quälen kann. Oh ja, ihm fällt garantiert immer etwas ein. Das könnte das Kindergeschrei von nebenan sein, zu laute Musik, die volle Mülltonne, der zu hohe botanische Gartenzaun, der Rauch vom brennenden Grill, das Lüften der Toilette nach Stuhlgang oder ein Gartenzwerg zu viel im Garten.
Der Kobold fängt an seine Mitmenschen zu provozieren. Er motzt herum und bemängelt diese unwichtigen Dinge. Er macht sie zum Problem. Die Menschen wehren sich und schon hat man Cucky die Mörderpuppe an der Backe. Und dann fängt der Seelenmord an. Der Kobold schleicht sich z.B. in den Keller von Frau Soundso und klaut ihre Unterwäsche. Manche sind auch so richtig erfinderisch und kacken in die Waschmaschine. Das funktioniert aber nur, wenn sie sich von oben öffnen lässt. Anderes wäre aus physiologischen Gründen kaum möglich. Wobei es manchen an Erfindungsgeist nicht fehlt.
Oder er wartet die Gelegenheit ab bis seine Nachbarn einkaufen gehen, huscht in dessen Garten, manipuliert an den Rasenmäher herum und sitzt gespannt am Fenster was demnächst passiert. Ehrlich gesagt möchte ich nicht wissen, was da passieren könnte. Wenn der Kobold einem so richtig ins Knie Ficken möchte, dann lässt er sich natürlich delikateres einfallen. Eine Bekannte hatte so einen am Hals. Er sammelt Bildmaterialien aus dem Schlafzimmer der Nachbarn, stellt sie ins Internet rein und betitelte sie als „Die Primatenspielchen alter Greise der Woche“ Ja und der Kobold findet das dann lustig, weil ihn das wieder mal angetörnt hat und nutzt die Gelegenheit für einen Swingerklub Besuch. Da lebt er dann seinen Fetisch aus und verkleidet sich als Zahnarzt. Mit Bohrer und Zange bewaffnet wird er dann auf unschuldige, nackte und gierige Körper losgelassen.
Ist der Kobold befriedigt, haben auch seine Nachbarn erst mal wieder Ruhe. Aber das ist nicht von langer Dauer. Der Kobold braucht ständig die Herausforderung und wird immer gieriger. Er verschlingt Seelen und mordet weiter bis er gestoppt wird. Da gab es mal einen guten Film. Der Titel ist mir entfallen, aber eine Gruppe Frauen haben ihren Nachbarn über den Jordan geschickt, weil dieser so unerträglich wurde, dass ihnen kein anderer Ausweg blieb. Aber so etwas sollte nur im Film passieren. Ich z.B. würde mir da etwas viel besseres einfallen lassen.
Ihr kennt doch alle die schönen Leuchttürme am Meer. Die haben doch so große Lampen, die sich immer drehen. Die finde ich richtig schön und regen die Fantasie an. Ich würde den Kobold aus seinem Haus zerren, ihn einen Sack über den Kopf stülpen, in meinen Kofferraum verfrachten, zum Leuchtturm rasen, ihn bis rauf zu den Lampen schleifen und an den Lichtern fesseln. Zuschließen und Schlüssel wegwerfen, denn den braucht man nimmer, wenn ich mit dem fertig bin. Danach würde ich einen Voodoo Priester aufsuchen und mir einen Tsunami heraufbeschwören lassen. Das würde ich mir so richtig was kosten lassen. Und zu guter Letzt rufe ich bei einer Tageszeitung an und berichte, was mit bösen Nachbarn passiert, die ihre Mitmenschen terrorisieren, damit sich in Zukunft jeder Kobold in Acht nimmt und vorher überlegt, was er seinen Nachbarn antut.
Eure Manu